Mittwoch, 6. Januar 2016

Buchrezension: Kristine Bilkau - Die Glücklichen

Kristine Bilkau

Die Glücklichen


Inhalt: 

Isabell und Georg sind ein Paar. Ein glückliches. Wenn die Cellistin Isabell spätabends von ihren Auftritten mit dem Orchester nach Hause geht oder der Journalist Georg von seinem Dienst in der Redaktion auf dem Heimweg ist, schauen sie oft in die Fenster fremder Wohnungen, dringen mit ihren Blicken in die hellen Räume ein. Bei abendlichen Spaziergängen werden sie zu Voyeuren. Regalwände voller Bücher, stilvolle Deckenlampen, die bunten Vorhänge der Kinderzimmer. Signale gesicherter Existenzen, die ihnen ein wohliges Gefühl geben. Das eigene Leben in den fremden Wohnungen erkennen. Doch das Gefühl verliert sich.

Mit der Geburt ihres Sohnes wächst nicht nur ihr Glück, sondern auch der Druck und die Verunsicherung. Für Isabell erweist sich die Rückkehr in ihren Beruf als schwierig: Während des Solos zittern ihre Hände, nicht nur am ersten Abend, sondern auch an den folgenden. Gleichzeitig verdichten sich in Georgs Redaktion die Gerüchte, der Verlag würde die Zeitung verkaufen. Währenddessen wird ihr Haus saniert. Im Treppenhaus hängt jetzt ein Kronleuchter, im Briefkasten liegt eine Mieterhöhung. Für die jungen Eltern beginnt damit ein leiser sozialer Abstieg. Isabell und Georg beginnen mit einem Mal zu zweifeln, zu rechnen, zu vergleichen. Jeder für sich. Je schwieriger ihr Alltag wird, desto mehr verunsichert sie, was sie sehen. Die gesicherten Existenzen mit ihren geschmackvollen Wandfarben sagen jetzt: Wir können, ihr nicht. Was vertraut und selbstverständlich schien – die Cafés, Läden, der Park, die Spielplätze mit jungen Eltern –, wirkt auf einmal unzugänglich. Gegenseitig treiben sich Isabell und Georg immer mehr in die Enge, bis das Gefüge ihrer kleinen Familie zu zerbrechen droht.

Kristine Bilkau zeichnet in ihrem Debütroman »Die Glücklichen« das präzise Bild einer nervösen Generation, überreizt von dem Anspruch, ein Leben ohne Niederlagen zu führen, die sich davor fürchtet, aus dem Paradies vertrieben zu werden.


Rezension: 

Isabell und Georg sind ungefähr Mitte 30 bis Anfang 40, verheiratet und haben den kleinen Sohn Matti. Sie leben in einer Altbauwohnung in einer Großstadt, in der Isabell schon mit ihrer Mutter wohnte. Nach der Elternzeit geht sie nun wieder ihrer Arbeit als Cellistin bei einem Musical nach, in den Abendstunden kümmert sich Journalist Georg um Matti. 

Isabell ist der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt nicht bekommen. Sie zittert und hat Angst Cello zu spielen. Sie lässt sich zunächst krankschreiben und geht wegen Schulterschmerzen zur Physiotherapie. Sie verliert ihre Anstellung und erhält ALG 1. Zur selben Zeit wird auch Georg aufgrund Rationalisierungen bei der Zeitung arbeitslos. Bereits schon zuvor unzufrieden mit der Welt, hängen beide nun völlig frustriert in der Wohnung aufeinander. 

Georg träumt vom Aussteigen, einem Leben auf dem Land, als Selbstversorger durch den Anbau von Obst und Gemüse. Isabell ahnt nichts von diesem Traum und könnte sich ein Leben außerhalb der Stadt nicht vorstellen. Sie lässt sich Obst und Gemüse lieber mit der Biokiste liefern und kauft Lebensmittel im Feinkostladen, für Matti Biowäsche und für sich ein überteuertes Abendkleid, das sie ohne Auftritte als Cellistin ohnehin nicht benötigt. 

Das Buch schildert den traurigen Alltag eines Ehepaars, das sich nichts zu sagen hat und nicht aus seiner Lethargie herauskommt. Vielleicht sollten sie glücklich sein - bis zum Verlust beider Jobs war objektiv betrachtet auch alles in Ordnung. 

Aufgrund der guten Kritiken hatte ich mir viel mehr von dem Roman versprochen. Ich fand jedoch nicht nur die Handlung belanglos, weil einfach nicht viel passierte und das Leben der beiden derart vor sich hinplätscherte, dass man ihnen am liebsten in den Hintern getreten hätte. Auch der Schreibstil der Autorin war für mich zu leblos, fast dokumentarisch, was vielleicht zur Handlung passt, aber für mich einfach kein Lesevergnügen darstellt, so dass ich die "nur" 300 Seiten für mich dahingezogen haben.

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