Samstag, 26. März 2016

Buchrezension: Kristin Harmel: Über uns der Himmel

Kristin Harmel

Über uns der Himmel




Inhalt:

Die junge Kate Waithman lebt mit ihrer großen Liebe Patrick in Manhattan. Eines Morgens geht sie am Hudson River joggen, als plötzlich ein Flugzeug den Himmel durchbricht. Momente später ist das World Trade Center in Rauch gehüllt. Es ist das Gebäude, in dem Patrick arbeitet.

Dreizehn Jahre später fühlt sich Kate endlich bereit, ihr Herz wieder zu öffnen. Doch dann hat sie einen Traum, der realer scheint als alles, was sie umgibt – von dem Leben, das sie mit Patrick gehabt haben könnte. Während sie versucht, an der Vergangenheit festzuhalten, beginnt Kate zu ahnen, dass es für sie einen zweiten Weg zum Glück geben könnte.


Rezension:

Ich fand das Thema Verlust eines Menschen bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 sehr reizvoll, weshalb ich "Über uns der Himmel" schon länger lesen wollte. 

Die knapp 30-jährige Kate verliert am 11. September 2001 ihren Ehemann Patrick, mit dem sie seit 15 Monaten verheiratet ist und der in einem Büro des Nordturms der Twin Towers gearbeitet hat. Sie denkt zurück an den letzten Abend, den sie zum Teil im Streit verbrachten und an den Morgen, an dem sie sich zum letzten Mal sahen. 

Patrick war ihre große Liebe, er war derjenige, der sie ermutigt hat, zu studieren, um ihren Traum, Musiktherapeutin für benachteiligte Kinder zu werden, verwirklichen zu können. 
Sein Tod ist inzwischen 13 Jahre her und Kate mit Dan zusammen, den sie immer wieder mit Patrick vergleicht. 
Als Kate von ihrem Arzt erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann und Dan ihr wenig später einen Heiratsantrag macht, beginnt Kate Nacht für Nacht intensiv zu träumen. Die Träume handeln von einem Leben mit Patrick, zusammen mit der gemeinsamen Tochter Hannah, das sie jetzt hätte. Die Träume sind so realistisch und stellen ihren Herzenswunsch dar. Kate flüchtet sich regelrecht in diese Träume, so dass sich Freunde und Familie bald Sorgen um sie machen, da sie den Bezug zur Realität zu verlieren scheint. 
Die imaginäre Tochter Hannah ist in Kates Träumen gehörlos, weshalb Kate in ihrem realen Leben einen Kurs in Gebärdensprache besucht, um sich besser mit ihr verständigen zu können. Kurleiter Andrew findet sie auf Anhieb sympathisch, nicht nur weil er selbst im Kindesalter seinen Bruder verloren hat und ihre andauernde Trauer nachvollziehen kann.
Mit Dan kommt es dagegen immer wieder zu Auseinandersetzungen, da er selbst spürt, dass er Kate Patrick nicht ersetzen kann und will und auch ihren späten und für ihn plötzlichen Kinderwunsch nicht nachvollziehen kann. 
Kate stürzt sich in ihrer Eigenschaft als Musiktherapeutin in die ehrenamtliche Arbeit mit gehörlosen Kindern in Pflegefamilien und kann sich auch selbst vorstellen, ein Pflegekind aufzunehmen. Durch ihr Engagement kommt sie auch Andrew näher. Ihre Träume, deren Details sich zum Teil sogar bewahrheiten, verblassen wieder und Kate beginnt, Patrick so langsam loszulassen. 

Der Roman ist gefühlvoll, lebendig und sehr flüssig geschrieben, so dass ich ihn schnell verschlungen habe. Kate ist eine sympathische Protagonistin, mit deren Leid man mitfühlt, auch wenn sie ihren verstorbenen Ehemann stark verglorifiziert, so dass Dan nie wirklich eine Chance bei ihr haben konnte. Man begleitet Kate auf ihrem Weg der Trauer, wobei ihr die Träume, in die sie selbst auch viel hineininterpretiert, eine Stütze sind. Wünscht sie sich anfangs noch, dass Traum und Wirklichkeit tauschen könnten, beginnt sie, durch ihre neue Aufgabe mit den Kindern und der Auseinandersetzung mit der Entscheidung, ob sie Dan wirklich heiraten möchte, wieder Boden unter den Füßen und nimmt ihr Leben in die eigene Hand.
"Über uns der Himmel" ist ein Herz-Schmerz-Roman über das Suchen nach Glück, in dem nicht nur Kates Gefühle, sondern auch ihre Träume einen sehr großen Raum einnehmen. Für die ein oder andere Leserin könnte dieser Aspekt zu realitätsfern sein. Ich fand es schön, Kate auf ihrer Suche nach dem Glück ein Stück zu begleiten. Dennoch hat mir der Roman "Als ich erwachte" von Cynthia Swanson, der ebenfalls von intensiven Träumen handelt, besser gefallen, da der Roman packender und der Bezug zur Realität klarer vorhanden war. 


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